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Tagebuch einer Reise zu den Mozabiten in die Sahara im Jahre 1961


aufgeschrieben von Josef Mayer

Teilnehmer: Organisator Kurt, Kameramann Alfred und ich als Techniker für alles
Ausrüstung: VW Bus T1 mit 25 PS Boxermotor
Filmkamera: ARRIFLEX 16 mm, Fotokamera: Rolleicord 6x6 Schwarzweißfilm
Tragbares Magnetophongerät, Waffen: Jagdgewehr Drilling, S&W Revolver

Anmerkung: Rechtschreib- und Stilfehler wurden absichtlich nicht korrigiert

1. Mai 1961
Abfahrt bei km-Stand 63.772 um 6:00 Uhr in Karlsruhe. Bin die 1. Etappe von 565 km in 10 Stunden mit einer einzigen Pause von 15 min gefahren (Karlsruhe bis hinter Lyon). Bei Einbruch der Dämmerung stoppten wir und lagerten etwas abseits der Straße im Gebüsch kurz vor Nîmes.
Gesamtfahrzeit: 14 Stunden. Gesamtkilometer: 750. Reiseroute des Tages: Karlsruhe - Baden-Baden - Kehl - Strasbourg - Colmar - Belfort - Besancon - Bourg - Lyon - Rhone Tal - bis kurz vor Nîmes. An der Grenze gab es nur Paß- und Wagenpapierkontrolle, keine Zollkontrolle.

2. Mai 1961
Abfahrt bei km-Stand 64.523 um 6:00 Uhr kurz vor Nîmes. An der spanischen Grenze wieder nur Paß- und Wagenpapierkontrolle, keine Gepäckkontrolle. Die letzten 4 Stunden bin ich ab kurz vor Barcelona bis kurz vor Castellón de la Plana gefahren. Bei Einbruch der Dunkelheit bogen wir in eine Nebenstraße ab und lagerten neben der verkehrlosen Straße in einer felsigen Schlucht.
Gesamtfahrzeit: 14 Stunden. Gesamtkilometer: 708. Reiseroute des Tages: Nîmes - Montpellier - Béziers - Narbonne - Perpignan - spanische Grenze - Barcelona - Tarragona bis kurz vor Castellón de la Plana.

3. Mai 1961
Abfahrt bei km-Stand 65.231 um 6:30 Uhr kurz vor Castellón. Ich bin die letzten 6 Stunden ab Lorca durch das Innere Spaniens bis kurz nach Granada gefahren. Wir lagerten bei Einbruch der Dunkelheit vor einem spanischen Bauernhaus, wo sich sogleich die gesamte Nachbarschaft einfand und unsere Ausrüstung bestaunte.
Gesamtfahrzeit: 14 Stunden. Gesamtkilometer: 669. Reiseroute des Tages: Castellón de la Plana - Valencia - Alicante - Murcia - Lorca - Granada.

4. Mai 1961
Abfahrt bei km-Stand 65.900 um 5:30 Uhr hinter Granada. Ankunft in Algeciras um 10:30 Uhr. Die Gesamtfahrzeit in Europa betrug 47 Stunden. (Davon bin ich 20 Stunden gefahren). Die Gesamtkilometer in Europa betrugen 2.353. Das ergibt einen Schnitt von 50 km pro Stunde. Die Uhr habe ich nach der marokkanischen Zeit um eine Stunde zurückgestellt. Reiseroute des Tages: Granada - Málaga - Algeciras und mit der Fähre nach Tanger. Um 11:30 beginnt die Überfahrt nach Tanger, welche ungefähr zweieinhalb Stunden dauert. In Tanger verpflichten wir gleich am Hafen einen Führer, der ganz gut deutsch sprach und die ganzen Behörden in Tanger kannte, was sehr von Vorteil war. Wir mußten ein paar Mal wegen der Visumangelegenheit zum französischen Generalkonsulat, aber am meisten zu tun hatten wir, um die Einfuhrgenehmigung für den Drilling zu bekommen, was uns schließlich aber auch gelang. Wir aßen in einem arabischen Lokal, was ziemlich teuer war und schon mehr für die Touristen hergerichtet war. In der VW-Vertretung ließen wir den Wagen abschmieren und das Öl wechseln. Darnach war es höchste Zeit, um noch vor Einbruch der Dunkelheit ein Stück hinauszufahren. Wir lagerten unweit der belebten Straße, aber gut gegen Sicht gedeckt.

5. Mai 1961
Abfahrt um 5:30 Uhr kurz hinter Tanger. Ankunft um 13:00 Uhr in Taza. Nach der Ankunft mußten wir beim französischen Generalkonsulat vorsprechen. Anschließend saßen wir in einem Kaffeehaus und wurden von einem Eingeborenen angesprochen, der mehrere Jahre in Deutschland gewesen ist. Abends fuhren wir in eine ein paar Kilometer südwärts gelegene Schlucht und hatten dort einen herrlichen Lagerplatz. Nachdem es aber in der Nacht stark geregnet hatte, kamen wir am nächsten Morgen nur mit viel Glück wieder heraus.
Reiseroute des Tages: Tanger - Larache - Petitjean - Fes - Taza.

6. Mai 1961
Vormittags wieder eine längere Vorsprache beim französischen Konsulat und Erledigung von Post und Bestimmung der weiteren Reiseroute. Um 12:00 Uhr Abfahrt in Taza. Bei Einbruch der Dunkelheit lagerten wir kurz hinter Oujda (unweit der algerischen Grenze) auf einem Hügel. Wir schützten den Wagen auch diesmal wieder so gut es ging gegen Sicht und stellten ihn ins Gebüsch. Wir wurden aber trotzdem abends schon von Hirten beobachtet, die ihre Zelte und Herden in der Nähe stehen hatten. Nachts regnete es wieder.
Reiseroute des Tages: Taza - Taourirt - Oujda.

7. Mai 1961
Wir waren noch nicht aufgestanden, bekamen wir schon Besuch von einem Nomaden. Nach einer spärlichen, aber freundlichen Unterhaltung rief er einem Zweiten etwas zu, der nach kurzer Zeit mit einer Kanne Kaffee und Gläsern ankam. Nachdem wir diesen sehr guten Kaffee getrunken hatten servierten wir ihnen Tee. Nach einem langwierigen und freundlichen Abschied fuhren wir um 8:30 Uhr ab. Kilometerstand bei der Abfahrt: 66.870. Nach kurzer Zeit sahen wir die ersten Kamele auf der Weide. Hinter Tendrara war die Asphaltstraße zu Ende und es begann eine teilweise sehr schlechte Piste. In Bouarfa war die marokkanische Paßkontrolle. Kilometerstand in Bouarfa: 67.100. Hinter Bouarfa begann ein teilweise sehr starker Sandsturm. Wir fuhren bis zur algerischen Grenze weiter, die aber mit Stacheldraht verschlossen war. Nach drei abgeschossenen Leuchtkugeln kam von dem nahe gelegenen befestigten Fort ein französischer Streifenwagen, der uns aber nicht einlassen konnte, da Sonntag war. Wir fuhren deshalb 3 km zurück und schlugen unser Lager an einem Wadi (mit stehendem Wasser) auf. Die Uhr habe ich nach der algerischen Zeit wieder um eine Stunde vorgestellt.
Reiseroute des Tages: Oujda - Berguent - Tendrara - Bouarfa - algerische Grenze.

8. Mai 1961
Am Morgen Waschen und Rasieren bei einem ziemlich starken Sandsturm. Abfahrt um 10:00 Uhr bei km-Stand 67.160. Nach einer eingehenden Paß- und Gepäckkontrolle an der Grenze fuhren wir in Begleitung von einem Militärwagen (drei Stück insgesamt) von Fort zu Fort weiter, bis wir nach einer schlechten Piste und schneller Fahrt hinter diesen Jeeps um 14:00 Uhr in Colomb Bechar eintrafen. Kilometerstand bei Ankunft in Colomb Bechar: 67.228. Nach einer nochmaligen eingehenden Paß- und Gepäckkontrolle wurden wir zur Grenzpolizei weitergereicht. Mit der Erledigung der verschiedenen Einreise- und Waffenschwierigkeiten verging der ganze Nachmittag. Abends richteten wir unser Lager neben der Kirche ein. Nachdem wir eine Flasche algerischen Rotwein getrunken hatten, setzten wir uns in ein französisches Kaffee, tranken algerisches Bier und erledigten nebenbei die Post.

9. Mai 1961
Um die Einreise- und Waffenschwierigkeiten endgültig zu beseitigen, mußten wir noch einen Tag in Colomb Bechar bleiben. Dabei lernten wir einen französischen Polizeiinspektor kennen, der uns zum Kaffee einlud und uns dabei wertvolle Informationen über die französische Armee, die Sahara und die Pisten gab. Mittags zeigte er uns noch mit seinem Panhard die Stadt und die nähere Umgebung. Abends ließen wir noch bei km-Stand 67.240 den Wagen abschmieren und das Öl wechseln, wobei ich mich für die Arbeit der arabischen Mechaniker nicht gerade begeistern konnte. Außerdem kauften wir uns für 60,-- NF zwei gelochte Bleche, die wir am Gepäckträger befestigten. Abends tranken wir noch einen Kaffee vor einem arabischen Lokal und richteten uns anschließend wieder unser Lager neben der Kirche ein.

10. Mai 1961
Abfahrt in Colomb Bechar um 6:30 Uhr, an der Ausfahrt wieder Paßkontrolle der Polizei und Weiterfahrt bis zur Oase Tarhit auf einer verhältnismäßig guten Piste. An der Ortseinfahrt bot sich uns schon ein wunderbarer Blick auf die herrlich gelegene Oase. Nach der Ankunft gingen wir gleich in die sehr engen, teilweise überdachten Gassen der Stadt und machten Aufnahmen. Mittags fuhren wir in eine 3 km entfernte Nachbaroase und fotografierten auch dort sehr eifrig. Nachdem es kurz sehr heftig regnete, fuhren wir in das französische Fort, rasierten und duschten uns dort. Anschließend warteten wir bis zum Abendessen und aßen in der Kantine gut und preiswert. Wir erhielten dann auch die Erlaubnis innerhalb des Stacheldrahtes zu übernachten.

11. Mai 1961
Um 6:00 Uhr wurde der Zapfenstreich geblasen und kurz darauf standen wir auf, tranken in der Kantine einen Kaffee und machten uns fertig. Wir wollten einen Abstecher auf ein ungefähr 30 km entferntes Hochplateau machen, um Felszeichnungen zu fotografieren. Auf der Hinfahrt mußten wir durch ein paar Sandflächen durch und mußten dabei auch den Wagen zum ersten Mal ausgraben. Aus unbekannten Gründen entleerte sich die Batterie und es war unser großes Glück, daß wir eine Handkurbel dabei hatten. Nachdem wir nicht mehr weiter fahren konnten, gingen Kurt und Alfred zu Fuß weiter. Ich blieb beim Wagen und lud die Batterie wieder auf. Nach eineinhalb Stunden fuhren wir zurück. Um 12:00 mittags fuhren wir von Tarhit nach Igli weiter. Dort besuchten wir eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt, auf der so ziemlich alles angebaut wird und wunderbar gedeiht (Getreide, Mais, Klee, Mohn, Bohnen, Artischocken, Blumen usw.) Zwei Mal im Jahr wird geerntet. Das Wasser wird von einem teilweise unterirdischen Fluß heraufgepumpt, in einem Bassin gespeichert und dann verteilt. Anschließend machten wir noch einen Besuch im französischen Fort und wurden vom Kommandanten zu einem Drink eingeladen. Um 19:00 Uhr fuhren wir weiter, bis wir nach einer Stunde ungefähr 40 km vor Beni Abbes auf ein Schafhirtenlager stießen, neben dem wir unser Lager einrichteten und die Hirten zu einem Tee einluden. Der eine hatte schon ganz Marokko und Spanien mit seinen Herden durchzogen und war diesmal von Tindouf mit seiner Herde hierher gezogen.

12. Mai 1961
Nachdem wir in der Früh ungefähr 10 km Richtung Beni Abbes weitergefahren waren, sichteten wir 2 km von der Straße entfernt ein Straßenbaulager. Hier wird eine Asphaltstraße von Adrar nach Abadla gebaut. Der Kommandant war sehr freundlich und lud uns gleich zum Essen ein. Unter den Arbeitern sind so ziemlich alle Nationen vertreten, viele ehemalige Fremdenlegionäre, unter anderem auch ein Deutscher. Wir machten dann einige Filmaufnahmen, tranken Whisky, aßen auch Mittags dort sehr gut, unterhielten uns mit den Arbeitern, von denen einige deutsch sprachen und besichtigten nachmittags noch die Baustelle. Bei dieser Gelegenheit kamen wir südlich von Beni Abbes an einem Basaltfeld vorbei, in welchem versteinerte Fische (Fossilien) zu sehen waren. Anschließend fuhren wir in Begleitung des Deutschen und noch eines anderen nach Beni Abbes, wo wir wieder einen Deutschen, der hier Erdproben macht, trafen. Kurz vor Sonnenuntergang fuhren wir noch in das Schwimmbad. Nachher wurden wir von diesem Deutschen zum Abendessen eingeladen. Um Mitternacht schlugen wir etwas abseits von seinen zwei Wohnwagen unser Lager auf. Von hier aus hatte man eine wunderbare Sicht über die Oase.

13. Mai 1961
In der Früh wurde der Wagen innen wieder einmal entsandet. Um 10:00 Uhr gingen wir nach Beni Abbes hinunter und besichtigten das Saharamuseum, welches zwar sehr reichhaltig, aber nicht gerade gepflegt aussah. An das Museum angeschlossen war noch ein kleiner Zoo. Um 12:00 Uhr mittags verabschiedeten wir uns von dem Deutschen, der uns noch 40 Liter Benzin schenkte und fuhren nach Kerzaz weiter. Während dieser Fahrt sahen wir neben der Piste eine größere Anzahl Kamele weiden. Wir fuhren ein Stück in den Sand hinein (den Wagen lenkte ich) merkte zwar, daß es schwer ging fuhr aber trotzdem weiter bis zum Kamelhirten. Dieser begleitete uns bis zu seinen Kameraden, wo wir zu Tee und Kamelfleisch eingeladen wurden und dabei Aufnahmen machten. Zum Abschied bekamen wir noch das beste Stück Kamelfleisch mit. Als ich den Wagen wegfahren wollte, sank er sofort im Fesch-Fesch Treibsand ein, wir mußten Schaufel und Lochbleche benutzen, und mit Müh' und Not kamen wir wieder heraus. In Kerzaz angekommen, fuhren wir wieder auf das französische Fort und brieten bei der Gelegenheit das Kamelfleisch. Als ich Bier holen fuhr, blieb ich beinahe vor dem Hotel im Sand stecken. Abends lernten wir noch einen Franzosen kennen, der uns zum Kaffee und Cognac einlud, uns Fotos zeigte und vor dessen Haus wir dann ungefähr um Mitternacht lagerten.

14. Mai 1961
Diesmal standen wir schon vor Sonnenaufgang auf, machten uns schnell fertig und begannen dann die mühsame Besteigung der höchsten Düne in der Umgebung. Oben angekommen wurde eifrig fotografiert. Um 8:30 Uhr war ich wieder in der Garage des Forts und ließ den Wagen abschmieren und die Achsmanschette auswechseln. Um 11:00 Uhr fuhren wir weiter in Richtung Adrar. Den Wagen fuhr wieder ich. Es war eine ganz miserable Wellblechpiste, eine Affenhitze und eine menschenleere und trostlose Steinwüste. Die einzigen Fahrzeuge, die uns begegneten, war ein Militärkonvoi mit aufgeladenen Panzern. Um ungefähr 18:00 Uhr kamen wir in Adrar an, setzten uns in das Hotel und erledigten Post. Unterwegs ging noch die Tachowelle kaputt. Außerdem gingen noch der Winkerschalter und die Leitung vom Öldruckschalter kaputt. Wir gingen dann noch kurz durch den Markt und fuhren anschließend ein paar Kilometer vor die Stadt und lagerten hinter einem leerstehenden Haus.

15. Mai 1961
Um 9:00 Uhr morgens waren wir schon auf dem Flugplatz von Adrar und fotografierten eine ankommende Maschine. Anschließend tankten wir den Wagen wieder voll, ließen das Getriebeöl nachsehen, fuhren zur Post und weiter ging es nach Aoulef auf einer miserablen Piste, wobei es neben der Piste aber manchmal sehr gut ging. Wir begegneten auf der ganzen Strecke, die wieder ich fuhr, keinem einzigen Menschen oder Auto. Es war ein furchtbar einsames Hochplateau, das dann in Sand überging, durch den wir manchmal gerade noch durchkamen. Um ungefähr 15:00 Uhr kamen wir in der total versandeten Stadt an und ich stellte fest, daß die Batterie umgekippt war. Wir fanden dann einen Militärarzt, in dessen Laboratorium wir Schwefelsäure mit destilliertem Wasser mischten und wieder auffüllten, was sich ganz gut bewährte. Wir fuhren dann noch bis Sonnenuntergang ungefähr 50 km weiter und lagerten wieder einmal in der freien Wüste. Die Strecke Aoulef - In Salah fuhr Alfred.

16. Mai 1961
Wir waren gerade beim Aufstehen, als ein Streifenwagen vorbeifuhr und fragte, ob alles in Ordnung sei. Die Piste nach In Salah war teilweise total versandet und wir hatten Mühe, überall durchzukommen. In In Salah angekommen, blieben wir gleich zwei Mal im Sand stecken und wurden jedes Mal von einem LKW herausgezogen. Wir wurden dann von einem Franzosen in der Funkstation auf ein Bier eingeladen. Wir verblieben dann den ganzen Nachmittag in der sehr kühlen (28° C) Kantine und kochten auch dort. Gegen Abend fuhr uns der Franzose mit seinem Jeep zuerst durch den Markt und dann auf die Dünen und in die Palmeraie (Palmenhain), wo wir überall Aufnahmen machten. Abends saßen wir wieder in der Kantine und tranken Kaffee. Das Wasser war sehr magnesiumhaltig, was wir auch merkten, als wir uns bei der Ankunft duschten. Wir lagerten dann auch gleich vor der Kantine. Es war wohl der heißeste Tag, den ich bis jetzt erlebte.

17. Mai 1961
Wir fuhren schon um 6:30 Uhr los, da wir am Abend in El Golea sein wollten. Ich fuhr die ersten fünfeinhalb Stunden. Einmal blieben wir im Sand stecken, nach einer halben Stunde hatten wir ihn aber wieder frei. Nach einem kurzen aber sehr steilen Bergstück durchfuhren wir das mindestens 200 km lange Hochplateau des Tademait. Fast die ganze Strecke hatten wir wieder die Fata Morgana um uns. Es war eine geradezu furchtbare und eintönige Strecke, eine schlechte Piste, wobei es neben der Piste oft wieder sehr gut ging und eine sehr große Hitze. Als wir um 19:30 Uhr 10 km vor El Golea lagerten und wir schon die Palmeraie sahen, waren wir alle sehr müde. Wir waren aber auch 410 km durchgefahren.

18. Mai 1961
In der Früh bei der Ankunft in El Golea war der erste Weg wieder das übliche an- und abmelden bei der Gendarmerie. Dann wollten wir im Militärbad tuschen, bekamen aber keine Erlaubnis. Wir fuhren dann zu einer Tankstelle, tankten und wuschen und rasierten uns bei dieser Gelegenheit gleich. El Golea ist eine sehr schöne und schon auf den Fremdenverkehr ausgerichtete Oase. Um 10:30 Uhr fuhren wir dann auf der 260 km langen ganz neuen Asphaltstraße bis Ghardaia, wo wir um 14:30 Uhr ankamen. Der erste Weg wieder zur Gendarmerie und anschließend zum Missionshaus der Pères Blanc, wo wir freundlichst empfangen wurden und das große Glück hatten, einen leeren und kühlen Raum zur Verfügung gestellt zu bekommen. Bis wir dann alles ausgeräumt und entstaubt hatten, war es auch schon Zeit zum Schlafen gehen.

19. Mai 1961
In der Früh wurde der Wagen in die Renault-Garage gestellt und dort gewaschen und abgeschmiert. Das nahm den ganzen Vormittag in Anspruch. Nach dem Mittagessen wurde Post erledigt. Dann stellte ich am VW die Bremsen nach, was aber nichts nützte. Außerdem stellte ich fest, daß das hintere Rad locker war. Um 17:00 Uhr kam Pater David, der seit 60 Jahren hier ist und die Mozabiten studiert, zu uns und erzählte uns über dieses Volk. Daran anschließend war ich wieder mit Schreiben beschäftigt bis zum Schlafen gehen. Wir lagerten jetzt immer im Hof des Missionshauses.

20. Mai 1961
Vormittags arbeiteten wir alle drei am Wagen. Ich reparierte die Tachowelle - bei km-Stand 67.758 - beulte hinten die Karosserie aus und überstrich es mit Farbe. Alfred und Kurt reparierten den Winkerschalter und überstrichen den Wagen innen. Nach dem Mittagessen fuhren wir noch kurz in die Stadt und anschließend begleitete uns Pater David durch Ghardaia und wir machten dabei Aufnahmen mit Filmkamera und Tonbandgerät. Wir waren so von 15:30 - 18:30 Uhr unterwegs. Am Abend besuchte uns noch ein Herr Kraft, ein ehemaliger Legionär und jetzt hier als Geschäftsmann tätig.
Gefahrene Kilometer ohne Kilometerzähler ungefähr 1.200 km. Gefahrene Kilometer auf Pisten ungefähr 1.900 km.

21. Mai 1961
Wir standen schon um 6:00 Uhr auf und räumten alles für eine zweitägige Fahrt notwendige in den Wagen. Anschließend machten wir uns für die heilige Messe fertig, die von 8:00 - 9:00 Uhr dauerte und in der Kapelle des Missionshauses stattfand. Wir zogen dabei zum ersten Mal den Anzug an. Hinterher machten wir uns so schnell als möglich fertig und um 9:30 Uhr fuhren wir Richtung Ouargla ab. Dort angekommen, besuchten wir zuerst die dortige VW-Werkstätte und als um 14:00 Uhr das dortige Sahara-Museum geöffnet wurde, besuchten wir auch dieses kurz. Es war nicht sehr groß und behandelte hauptsächlich die französische Eroberung der Sahara. Wir fuhren dann nach dem Erdölgebiet Hassi Messaoud weiter und machten dort einige Aufnahmen. Nachdem wir um 19:00 Uhr wieder Herrn Kraft im Restaurant de France mit seiner Familie getroffen hatten, fuhren wir ein Stück von Hassi Messaoud hinaus und verbrachten dort die Nacht. Von Ghardaia bis Hassi Messaoud sind ganz neue Asphaltstraßen und ich bin die ganze Strecke gefahren.

22. Mai 1961
Wir fuhren ziemlich früh ab, um noch während der Fotografier-Zeit in Ouargla zu sein, wo Kurt die Salzpfannen aufnahm. Nach einem nochmaligen Besuch der VW-Werkstätte, der ersten seit Tanger, fuhren wir nach Zelfana, einer Oase 60 km vor Ghardaia weiter. Nach dem Essen fotografierten wir die Zelte der dort in der Nähe lebenden Halbnomaden. Zelfana hat auch eine große Pumpstation zu Bewässerung der Kulturen. Auf der Rückfahrt fuhren wir noch auf das Belvedere, von dem aus man eine wunderbare übersicht über die Städte des Mzab hat. Nach dem Abendessen setzten wir uns noch in ein arabisches Kaffee in der Stadt und tranken Limonade.

23. Mai 1961
Während ich in der Früh kochte, fuhren Alfred und Kurt auf das Belvedere, um Aufnahmen zu machen. Um 9:00 Uhr fuhren wir zu Madame Aischa. Sie führte uns anschließend zum Präfekten von Ghardaia, der uns wieder einige gute Hinweise gab. Nachmittags fuhren wir mit Aischa nach Bon Noura, wo wir ein paar Stunden dann alleinig herumschlenderten und ein paar Aufnahmen machten, obwohl es hier auch verboten ist. Um 6:00 Uhr holten wir Aischa vom Hospital ab und sie fuhr mit uns zum Bürgermeister von Beni Isguen, der uns unter verschiedenen Beschränkungen Filmaufnahmen erlaubte. Abends wurde dann nichts mehr unternommen.

24. Mai 1961
Nach dem Frühstück suchten wir in der Palmeraie einen Brunnen, der noch in Betrieb ist und machten Filmaufnahmen. Dabei kamen wir dahinter, daß es Filmsalat gegeben hat und die letzten Aufnahmen nichts geworden sind. Nach Behebung des Filmsalats wollten wir bei den weißen Schwestern Aufnahmen von der Teppichknüpferei machen, war aber nicht möglich, da sich die Arabermädchen nicht fotografieren lassen. Anschließend machten wir Film- und Magnetophon-Aufnahmen in einer Klasse der dem Missionshaus angeschlossenen Schule. Nachmittags baute ich das Untersetzungsgetriebe des Wagens auseinander, mußte es aber wegen eines Sandsturms unterbrechen. Bei Einbruch der Dunkelheit ließ er nach und ich konnte es wieder zusammenbauen.

25. Mai 1961
Um halb acht Uhr wollten wir eine Versammlung der Chambas filmen. Wie schon öfter mußten wir feststellen, daß es nicht stimmte und wir mußten unverrichteter Dinge den Heimweg antreten. Wir versuchten dann noch, eine Versammlung von Mozabiten am Friedhof zu filmen, was uns aber auch nicht gelang. Darnach filmten wir in einem arabischen Haus einen Teppichwebstuhl. Nach der Mittagspause filmten wir die Stadtmauer von Beni Isguen. Darnach fuhren wir vor Bon Noura und wollten die Stadtansicht filmen. Da sie Kurt nicht gefiel, kam es zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Kurt und Alfred, die schließlich den Abbruch sämtlicher Filmarbeiten herbeiführte. Es wurde beschlossen, am kommenden Montag abzufliegen. Um 20:00 Uhr fuhren wir in das Hotel Transatlantik und trafen dort einen Deutschen, der sich anfangs für den Wagen interessierte. Es war auch ein ehemaliger Legionär und jetzt bei einem Petrotrupp beschäftigt. Er erzählte uns viel Interessantes von der Arbeit der Petroliers.

26. Mai 1961
Dieser Tag verging, ohne daß wir viel getan hatten. Vormittags wurde das Gepäck wieder etwas in Ordnung gebracht. Mittags besuchte und dann ein Mozabite, der sich für unsere Ausrüstung interessierte und gleich verschiedenes kaufte, so z.B. Medikamente. Den ganzen Nachmittag heulte dann ein ziemlich starker Sandsturm um das Haus, so daß man kaum hinausgehen konnte. Wir waren diesen Sturm, der schon seit einigen Tagen jeden Nachmittag kam, schon gewöhnt, aber diesmal war er viel stärker als sonst. Am Abend besuchte uns wieder dieser Mozabite. Außerdem wurde tagsüber noch beschlossen, die Filmarbeiten fortzusetzen. In dieser Nacht hatte es eine Hitze, daß mir der Schweiß am nackten Körper ein paar Stunden lang herunterlief.

27. Mai 1961
Nach dem Frühstück holten wir die Kamerabatterie, bei dem deutschen Elektromechaniker, Herrn Gräter, vom Laden ab und fuhren in die Palmerie. Wir filmten wieder einen Ziehbrunnen mit Bewässerungsanlage. Nach dem Mittagessen saßen wir mit dem Mozabiten in einem arabischen Lokal. Anschließend führte er uns zu einer Gerberei. Darnach wurde der Film gewechselt. Hinterher trafen wir ihn wieder und fuhren gemeinsam nach Beni Isguen. Da auf dem Marktplatz aber kein Betrieb war und es außerdem stürmte, verschoben wir das Filmen auf später. Um 19:00 Uhr fuhren wir in das Judenviertel und anschließend in das Mozabitenviertel und filmten mit der 30 m Rolle auf den Straßen. Um 21:00 Uhr aßen wir in dem arabischen Lokal auf die Rechnung des Mozabiten. Es gab Neapolitanische Pizza, Brathendl, Spagetti und französischen Bordeauxwein. Wir haben uns dabei alle drei bis zum Bersten vollgefressen und hatten dann den Schlaf dringend nötig.

28. Mai 1961
Während Kurt und Alfred in der Früh auf das Belvedere fuhren und filmten, kochte und schrieb ich. Um 9:00 Uhr kamen sie zurück und kurz darauf wurden wir zu den Negern geholt, die im Garten für uns Musik machten. Wir nahmen sie auf Tonband auf und filmten und fotografierten sie eine Stunde lang. Als wir hinterher den Preis hörten, waren wir weniger erfreut, sie verlangten nämlich 50,-- NF. Mittags reparierte ich verschiedene Sachen (Rollei-Magic, Stativ, Schreibmaschine). Um 16:00 Uhr fuhren wir zu Aischa. Wir mußten noch ein paar Minuten warten bis sie in ihrem (geliehenen) Festkleid mit ungefähr einem halben Kilogramm Goldschmuck kam. In einem nahe gelegenen Garten ihrer Verwandten fotografierten und filmten wir sie dann. Darnach tranken wir in ihrem Zimmer noch Limonade. Am Abend besuchte uns noch Herr Gräter mit seiner Frau. Nach dem anschließenden Abendessen tranken wir zum Abschluß dieses erfolgreichen Tages eine Flasche Sekt.

29. Mai 1961
Kurt und Alfred filmten wieder, während ich kochte und schrieb. Um 9:00 Uhr kamen sie zurück und eine Stunde später filmten wir Pater David im Kreuzgang des Missionshauses. Außerdem nahm ich ein Interview in seiner Bibliothek auf Band auf. Darnach fuhr ich zur Post und zum Tanken. Mittag waren wir von einem Mozabiten zum Essen in einem Lokal eingeladen. Es gab vier Gänge, die alle vorzüglich schmeckten und dazu den unvermeidlichen Rotwein. Darnach fuhren wir mit ihm in die Palmerie und tranken noch einen Tee. Während die anderen gegen Abend wieder filmten, nahm ich vom Wagen das linke Hinterrad wieder herunter, da aus dem Untersetzungsgetriebe erneut öl herausfloß. Nach dem Abendessen kehrte ich noch unseren Raum.

30. Mai 1961
Vormittags filmten Alfred und Kurt wieder alleinig. Mittags besuchte uns wieder unser Wagenkäufer, der uns dann noch zu einem Drink einlud. Somit unternahmen wir bis zum Spätnachmittag nichts. Um 17:30 Uhr gingen wir auf den ganz in der Nähe liegenden sogenannten Holzplatz, filmten und machten Tonbandaufnahmen. Nach dem Abendessen um 19:00 Uhr fuhren wir zum Bordell von Ghardaia, welches uns ein Elsässer, den wir trafen, zeigte. Um 20:00 Uhr waren wir wieder zurück.

31. Mai 1961
Um 7:00 Uhr fuhren wir ab nach El Atteuf. Wir filmten dort ein paar Sachen, sahen uns die Stadt an und kauften danach ein paar Souvenirs ein. Ich kaufte einen alten Holzschlüssel (ungefähr 300 Jahre alt) und eine Öllampe. Nach dem Mittagessen reparierte ich das Gewehr. Um 17:00 Uhr fuhren wir wieder in das Bordell und filmten dort, was aber sehr schwer war, da sich niemand dazu hergab, nicht einmal gegen Bezahlung. Einige Aufnahmen machten wir aber trotzdem. Darnach durchsuchten wir verschiedene Geschenkartikelhäuser und Handwerker nach Souvenirs. Ich kaufte ein Teeservice zum Preis von ungefähr 80,-- NF. Um 20:00 Uhr kamen wir wieder zu Hause an.

1. Juni 1961
An diesem Tag hatten wir uns wieder viel vorgenommen. Vormittags waren wir von Pater David geführt mit der Kamera wieder in der Innenstadt von Ghardaia unterwegs. Diesmal gelang es uns mit viel Glück sogar im Inneren der Moschee Aufnahmen zu machen. Auf das Minarett konnten wir, da es abgeschlossen war, leider nicht. Anschließend filmten wir noch im Garten eines Mozabiten und sahen uns sein Haus an. Abschließend gingen wir noch zum Denkmal eines Gründers der Stadt Ghardaia. Mittags waren wir zu Hause. Um 17:00 Uhr waren wir nach Beni Isguen bestellt. Wir bekamen gleich einen Führer, der uns die Stadt zeigte und uns auf das Minarett führte. Von oben hatte man eine herrliche Aussicht und wir konnten sehr gut Aufnahmen machen. Beim Hinuntergehen ließen wir uns noch Zeit, um nicht zu früh auf den Marktplatz zu kommen. Ich schleppte das Tonbandgerät und machte auch einige Aufnahmen. Als wir schließlich um ungefähr 18:00 Uhr auf den Marktplatz kamen, war der Versteigerungsmarkt gerade voll im Gange. Jetzt kam es darauf an, ob unser Trick, Aufnahmen vom Markt zu machen gelang, was ja streng verboten war. Wir filmten wie verabredet einen Türklopfer am Rand des Platzes und sagten dann laut und deutlich, daß wir fertig seien. Während dem Abbauen schwenkten wir die Kamera um 180°, schalteten sie ein und ließen sie so ohne durchschauen laufen, bis es allmählich auffiel. Dann packten wir sie vollends ein. Unser Trick war gelungen.

2. Juni 1961
Heute war der Markttag, auf den wir schon lange gewartet hatten. Wir waren den ganzen Vormittag am Marktplatz von Ghardaia und machten Aufnahmen. Zwischendurch gab es einmal Filmsalat und wir mußten schnell heim und es wieder in Ordnung bringen. Wir bekamen auch die Erlaubnis, um von der Terrasse der Bürgermeisterei aus direkt über den Marktplatz filmen zu können. Ich machte Tonbandaufnahmen, assistierte beim Alfred und fotografierte nebenbei noch eifrig. Anschließend bekamen wir noch die Erlaubnis, den Muezzin der Arabischen Moschee beim Gebetsruf zu filmen und auf Tonband aufzunehmen. Den späten Nachmittag verwendeten wir dann dazu, um unser Gepäck wieder zusammenzupacken und uns für die Abreise am nächsten Morgen fertig zu machen.

3. Juni 1961
In der Früh räumten wir wieder alles wie früher in den Wagen. Es gab noch eine herzliche Verabschiedung von den Paters und um ungefähr 9:00 Uhr fuhren wir von Ghardaia in Richtung Berriane ab. Uns voraus fuhr ein Pater mit dem Sohn einer Nomadenfamilie mit einem 2CV. In Berriane sahen wir uns kurz die Stadt an, kauften zu Essen ein, welches wir anschließend in der Palmeraie aßen. Für 17:00 Uhr waren wir durch das sogenannte "Arabertelefon" bei den Nomaden angemeldet worden. Das Zelt lag hinter Berriane ein paar Kilometer abseits der Straße. Es waren die Frau, eine 12-jährige Tochter, die schon verheiratet war, eine jüngere Tochter und drei Söhne anwesend. Zuerst gab es Kaffee. Anschließend fotografierten wir eifrigst und ich machte auch ein paar Tonbandaufnahmen. Abends gab es dann ein unheimlich scharf gewürztes Essen, welches aber trotz reichlich beigemengtem Sand gut schmeckte. Wir wären nie in so engen Kontakt mit diesen Leuten gekommen, wenn nicht der Pater mit uns gewesen wäre, der schon zwei Jahre bei den Nomaden lebte und fließend arabisch sprach. Erst spät abends gingen wir wieder in unseren Wagen in der Nähe vom Zelt.

4. Juni 1961
In der Nacht gab es wieder den üblichen Sandsturm. Am Morgen nach dem Frühstück im Zelt verabschiedeten wir uns vom Pater und den Nomaden und fuhren alleinig nach Berriane zurück. Dort filmten wir noch das Innere der ganz neuen Moschee. Nachmittags auf der Weiterfahrt nach Laghouat kamen wir noch in den stärksten Sandsturm, den wir überhaupt erlebten. Er dauerte ungefähr 15 Minuten. Minutenlang sah man nur eine dunkelbraune Wand rund um den Wagen, man sah nicht einmal mehr die Straße neben dem Auto. Durch das vollkommen abgeschlossene Auto drang der ganz feine Sand in ganzen Wolken ein. Zum Schluß konnte man kaum noch atmen. Diesem Sandsturm folgte ein Wolkenbruch, während dem wir gerade in Laghouat einfuhren. Der gleiche Wolkenbruch verursachte in Ghardaia eine verheerende Überschwemmung, bei der mindestens vier Menschen ums Leben kamen. Nach der Ankunft fuhren wir zur Gendarmerie. Während wir warten sahen zwei deutsche Legionäre unseren Wagen. Nach kurzer Begrüßung wurde ich gleich zu einem Bier eingeladen. Bei einem blieb es dann nicht und wir zogen von einer Kneipe in die andere, währenddessen sie mir ganz interessante Sachen über die Legion erzählten. Inzwischen ist es beinahe Mitternacht geworden und ich hatte wenig Ahnung, wo meine Kollegen hingefahren sind. Ich brauchte über eine Stunde, bis ich den Wagen im Hof der "weißen Brüder" fand, wo mich ein Lehrer hinfuhr. Meine Kollegen kamen zum Glück erst zurück, als ich schon im Bett lag.

5. Juni 1961
Da es in der Nacht geregnet hatte war es in der Früh sehr kalt. Trotzdem nahmen wir die letzte Gelegenheit zum Duschen wahr und ich holte mir dabei einen Hexenschuß für die nächsten paar Tage. Um 8:00 Uhr fuhren wir zum Zoll. Hier wurden wir von einem Ort zum anderen geschickt (unter anderem auf den Flugplatz, wo wir die Begrüßung von heimkehrenden Mekka Pilgern sahen). Um 10:00 Uhr kam dann endlich auch unser Wagenkäufer an, der sich wegen der Überschwemmung in Ghardaia verspätet hatte. Da es schließlich und endlich nicht mehr langte, um nach Algier zu fahren, buchten wir die Flugkarten um. Nach dem Mittagessen luden wir unser Gepäck in ein Taxi (Peugeot 403), mit dem wir Richtung Algier fuhren. Unser Wagen wurde in einer Garage von Boukamel abgestellt. Der km-Stand dabei betrug 69.072. Somit sind wir mit dem Wagen insgesamt 6.500 km gefahren. Da um 17:30 Uhr die Straße vor Djelfa gesperrt wurde, mußten wir uns schon sehr beeilen, um noch zurechtzukommen. Mit 5 min Verspätung kamen wir aber noch ohne Schwierigkeiten hinein. Wir stiegen im Central Hotel, dem besten Hotel am Platze ab und belegten jeder ein Einzelzimmer. Am Abend packten wir noch unser Gepäck für den Flug um. Anschließend gingen wir noch in ein anderes Restaurant und aßen zu Abend. Auf dem Heimweg um 22:00 Uhr waren die Straßen schon total menschenleer, da hier alle Angst vor Überfällen haben.

6. Juni 1961
Um 5:00 Uhr standen wir auf, packten unser Gepäck wieder in und auf das Taxi, tranken noch einen Kaffee und um 6:00 Uhr fuhren wir die letzten 320 km in Richtung Algier weiter. Unterwegs ging ein Radlager des 403 kaputt, wir mußten in eine Werkstätte, nach ungefähr einer Stunde war es ausgewechselt und wir fuhren weiter. Am Nordhang des Atlas geht es in einer langen, tiefen Schlucht ziemlich steil hinunter bis vor Blida. Laufend begegneten wir wieder Militärkonvois und überall gab es Befestigungsanlagen und Militärposten. Um 11:30 Uhr kamen wir in Algier an, machten einen Abstecher zur Televisionsstation, die ganz oben am Hang, an den Algier gebaut ist, liegt, und anschließend gleich zum Flugplatz, der etwas außerhalb in Mon Blanche liegt. Wir hatten bis zum Abflug noch viel Zeit zur Gepäckaufgabe und -kontrolle, letztere war wieder nur ganz oberflächlich. Das Einsteigen in die Maschine war mit unseren vielen und schweren Handgepäck nicht gerade einfach. Um 14:50 Uhr flogen wir mit der Caravelle der Air France in Mon Blanche ab und landeten 75 min später in Marseille. Die strahlgetriebene Maschine flog in 8.400 m Höhe mit ungefähr 800 km/h. In Marseille hatten wir 3 Stunden Zeit bis zum Weiterflug und aßen in dieser Zeit im Flughafenrestaurant. Um 19:50 flogen wir in Marseille mit der zweistöckigen, viermotorigen Breguet Provence der Air France ab und landeten 70 min später in Lyon. Unterwegs wurde ein ausgezeichnetes Essen serviert. Mit dem Omnibus der Air France fuhren wir anschließend zum Bahnhof.

7. Juni 1961
Um 0:20 Uhr fuhr der Zug in Lyon ab. Wir fuhren 1. Klasse, konnten jeder ein halbes Abteil belegen und so bis zum Morgen gut schlafen. In Straßburg und Offenburg mußten wir umsteigen. Gepäckkontrolle war keine. Nach Offenburg frühstückten wir im Speisewagen. Um ungefähr 11:30 Uhr kamen wir in Karlsruhe an. Ich fuhr noch im Taxi bis vor die Firma in die Karlstraße mit und stieg dort aus.

Wikipedia-Links:
https://de.wikipedia.org/wiki/Mozabiten
https://de.wikipedia.org/wiki/M'zab
https://de.wikipedia.org/wiki/Algerienkrieg

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