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Tagebuch

Tagebuch einer Reise mit der Transsib nach Asien im Jahre 1987


aufgeschrieben von Josef Mayer

Reiseroute:
Studenzen - Szombathely - Budapest - Kiew - Moskau - Baikalsee - Manzhouli - Peking - Changsha - Guilin - Yangshuo - Liuzhou - Zhanjiang - Hainan - Heikou - Sanya - Heikou - Guangzhou - Macao - Hong Kong

29. Dezember 1986
Abfahrt Studenzen 7:19 Uhr. In Szentgotthard Fahrkarte nach Szombathely gekauft. Schaffner hat geschimpft, weil ich im österreichischen Waggon sitzen geblieben bin, unternahm aber weiter nichts. Von Szombathely bis Budapest debilen, stinkenden Fußballfan als Sitznachbarn. Ankunft Budapest 13:45 Uhr, anschließend Visum abholen bei russischer Botschaft, keine Probleme. Bei der Zimmersuche im Reisebüro an der Kettenbrücke 1 Stunde hinter vielen Italienern gewartet. Als die überaus langsame Dame mir anstatt 290 Forint 520 Forint abverlangen wollte und ich daraufhin gehen wollte, hat sie es mir doch zum Normalpreis gegeben. Sieg! Bei der resoluten Zimmerfrau in der Sv. Istvan krt. hatte ich Probleme mit dem Begreifen der Funktion des Magnet-Türschlosses, schließlich ging's aber doch. Abends im Keller vom Restaurant Berlin noch Siegfried und Agi aus Wien getroffen.

30. Dezember 1986
Langweiliger, regnerischer und kalter Tag. Lange geschlafen, Nachmittags Briefe an Ulrich und Claus geschrieben.

31. Dezember 1986
Um 9:30 Uhr von der bösen Wirtin energisch zum Aufstehen aufgefordert worden. Gepäck zum Bahnhof gebracht. Eine Flasche Sekt und zwei Flaschen Rotwein eingekauft. Der Lärm auf der Straße durch die Trompetenblaserei geht mir langsam auf die Nerven. Das Restaurant Emke wegen Silvesterfeier schon geschlossen, schräg gegenüber schlecht gegessen. Einen Teil der Wartezeit in der Steffl- Bierbar schräg gegenüber des Bahnhofes bei Bier und guter Musik verbracht. 45 Minuten vor Abfahrt des Zuges eingestiegen. Abfahrt pünktlich 20:15 Uhr. Zuerst allein im Abteil, nach zwei Stationen steigt hübsche russische Mutti mit zwei Kindern zu. Um Punkt Mitternacht wache ich zufällig auf und es ist totale Ruhe im Zug. Der Sekt bleibt mangels Gelegenheit in der Tasche.

1. Jänner 1987
Um 0:30 Uhr beginnt der 3 Stunden dauernde Grenzaufenthalt. Bei mir genaue Kontrolle der vorher angeführten Geldmittel. Gepäck wird nicht besonders genau kontrolliert, keine Kontrolle der Bekleidung. Die Russin hat anscheinend große Schwierigkeiten wegen eines mitgeführten Fernsehers. Habe anschließend noch einige Stunden gut geschlafen. Keine Gelegenheit zum Geldwechsel. Uhr um 2 Stunden vorgestellt. Um 10:00 Uhr steigt die wegen der Zollkontrolle noch immer deprimierte Russin aus, ein paar Stationen später ein ruhiger Herr wieder zu. Wieder keine Verständigungsmöglichkeit. Nachmittags im Restaurant gegessen, nicht besonders, Suppe mit Einlagen, Reis, Erbsen und Fleisch. Strecke stellenweise ziemlich holprig, schlafe aber trotzdem gut. In Kiew leichter Schneefall, aber auf der ganzen Strecke nur wenig Schnee. Sehr weitläufige Landschaft, Dörfer mit kleinen Häusern.

2. Jänner 1987
Ankunft in Moskau-Kievskaya mit 20 Minuten Verspätung um 6:50 Uhr. Temperatur -17 °C.
(Budapest - Moskau = 2.110 km = 1 Tag, 8 Std., 13 min)
Lange gesucht, bis ich jemanden gefunden habe, der mir sagen konnte, mit welcher Metro ich zum Jaroslavskij-Bahnhof komme. Schlechte Waschgelegenheit. Gepäcksaufbewahrung im Schließfach mit Zahlenschloss. Auf den Bahnhöfen keine Geldwechselmöglichkeit. Mit Metro und Taxi ins Zentrum gefahren und im Hotel gewechselt. Danach Besichtigung des Kremls. Dabei von zwei Studenten aus Kiew angesprochen worden. Wieder zum Bahnhof gefahren und eine von mir wegen der Kälte dringend benötigte Pelzkappe gegen zwei die Shirts getauscht. Das Geschäft war für die beiden anscheinend so gut, dass sie sich ohne Verabschiedung aus dem Staub bzw. Schnee machten. Bin anschließend noch einmal zum Roten Platz gefahren, bis mich die Kälte trotz Pelzkappe vertrieben hat. Wieder im Bahnhofsrestaurant gegessen. Abfahrt von Moskau-Jaroslavskij pünktlich um 23:50 Uhr.

3. - 7. Jänner 1987
An Ausländern waren noch fünf Schweden, vier Engländerinnen, eine Deutsche und Wolfgang aus Villach im Zug. Ich hatte zuerst allein ein Vierbett Abteil, teilte es dann aber eine Nacht mit einem Russen, einen Tag mit einer russischen Familie und eine Nacht mit einer russischen Mammutschka. Irgendwelche Kontakte oder Gespräche gab es nicht. Der Zug hält alle paar Stunden meistens 15 Minuten. In Russland hält er an 40 Stationen. Schnee hat es auf der ganzen Strecke nicht viel gegeben, durchschnittlich 20-30 cm, nach dem Baikalsee hat er fast ganz aufgehört. Das Wetter war jeden Tag gut mit Sonnenschein, die Temperaturen werden so zwischen -20 bis -25 °C betragen haben. Ich bin allerdings erst das erste Mal am Baikalsee ausgestiegen, da ich meine Erkältung noch immer nicht losgeworden bin und ich nachts teilweise leichtes Fieber hatte. Die Luft im Zug war zu heiß und vor allen Dingen zu trocken. Die Landschaft wechselte von leicht hügelig und bewaldet, auf langen Strecken war es dann flach mit vielen Birkenwäldern oder unbewaldet. Die riesigen Ausmaße des Baikalsees, an dem man 3 Stunden entlang fährt, und der am Rand teilweise zugefroren war, waren zu erahnen. Nachher sah man höhere Berge von der Mongolei herüber. Am letzten Tag vor der chinesischen Grenze war dann eine richtige Steppenlandschaft. Das Streckennetz der Eisenbahn ist wirklich gut ausgebaut und voll elektrisch. Es gibt viele, teilweise große Städte und sehr viele Fabriken. Alles sieht aber sehr russisch aus. Das Essen im Speisewagen war genießbar. Eintopfsuppe, Fleisch mit Nudeln oder Reis usw., aber auch schwarzen Kaviar oder roten Lachskaviar als Appetitanreger beim Frühstück. Als Getränke gab es Limonade, Mineralwasser, Kaffee oder Tee. Die Kontrolle an der russischen Grenze war peinlich genau, was den Zug selbst selbst betrifft. Gepäck wurde allerdings kaum kontrolliert, außer Zeitschriften und Notizbücher. Keine Frage bei mir wegen Rubel. Die Schweden hatten allerdings Pech, da die Bank geschlossen war und sie ihre überschüssigen offiziellen Rubel nicht mehr zurück tauschen konnten. Sie wurden ihnen abgenommen und bekamen dafür eine Bestätigung, mit der sie den Betrag innerhalb von drei Jahren bei jedem russischen Zollamt einlösen können, wenn's wahr ist! Der Wechsel der Spurweite geht folgendermaßen vor sich: der Waggon wird an vier Punkten mit elektrischen Hebern angehoben und die beiden Fahrgestelle herausgezogen und mit einem Kran ausgetauscht. Zeit pro Waggon ca. eine halbe Stunde. Chinesische Grenzkontrolle ganz locker, keine Gepäckskontrolle, nur Ausfüllen der Declaration Form. Uhr um 5 Stunden vorgestellt (d.h. insgesamt 7 Stunden). Abfahrt in Manzhouli um 21:08 Uhr, bin wieder allein im Abteil.

8. Jänner 1987
Die weitere Fahrt bis Peking verläuft ruhig, da keine Chinesen in die russischen Waggons zusteigen, sondern eigene chinesische Waggons, so auch der Speisewagen, angekoppelt werden. Die Landschaft ist meist ganz flache Steppe, kaum Schnee, aber kalt. Die Bezahlung des Abendessens habe ich mir gespart, da ich mit Wolfgang und der amerikanischen Gruppe, welche seit Irkutsk dabei war, mitgegessen habe.

9. Jänner 1987
Auf die Minute pünktlich um 6:31 Uhr in Peking angekommen.
(Moskau - Peking = 9.001 km = 6 Tage, 1 Std., 41 min)
Zuerst einmal kreuz und quer durch den Bahnhof, um sich zurechtzufinden. Dann zum CITS im Chong-Wenmen-Hotel (10 Minuten zu Fuß) und Zimmer reserviert. Anschließend chinesisches Frühstück (Fleischbällchen in Teigtaschen und Milch) und zurück zum Bahnhof, Fahrkarten nach Guilin gekauft. Mit Taxi zum Qiao Yuan Hotel und mit Wolfgang aus Villach zusammen Zimmer bezogen. Ich glaube, das billigste Hotel in Peking, dementsprechend ungepflegt und dreckig war es auch. Erreichbar mit Bus 106 ab Nähe Bahnhof. Die sechs Schweden vom Zug waren auch wieder da.

10. Jänner 1987
Mit Wolfgang und Claudia zusammen in die Stadt zum Roten Platz und von dort aus durch die verbotene Stadt hindurch und dahinter noch auf den Kohlenberg. Die Aussicht von dort war durch den leichten Schneefall leider schlecht. Die Anlage der verbotenen Stadt ist zwar sehr imposant und groß, die Details aber weitaus nicht so schön wie die Tempel in Bangkok. Nachher sind wir noch zu Fuß auf einen Kaffee ins Peking-Hotel und weiter zum Freundschaftsladen. Die Heimfahrt zum Hotel mit dem Bus war wie immer ein Erlebnis besonderer Art. Wie voll der Bus auch sein mag, mit Brachialgewalt gehen immer noch einige Leute mehr hinein. Und natürlich bleiben die Fenster auch bei eisiger Kälte offen. Temperatur etwa -12°, aber der eisige Wind hatte es in sich.

11. Jänner 1987
Wieder mit Wolfgang und Claudia zusammen mit Bus zum Himmelstempel. Sehr weitläufige, schöne Anlage. Sehr interessant die Echomauer. Danach ins Zentrum und durch die Altstadt gegangen, bis wir ein annehmbares Restaurant gefunden haben. Das Essen war nicht besonders, aber die als Nachspeise bestellten Litschi-Früchte kandiert haben uns für das andere Essen entschädigt, denn sie waren ausgezeichnet. Auf dem Weg zum Bus sind wir dann bei eisigem Wind durch die total finstere Altstadt geirrt, bis wir einen Bus fanden. Als wir dann noch den Bus wechseln mussten, hatten wir total die Orientierung verloren und wir wussten nicht mehr ob wir bei der richtigen Endstation waren. Zum Glück war es aber doch die richtige. Wir hatten auf jeden Fall wieder einen gewaltigen Fußmarsch zurückgelegt.

12. Jänner 1987
Gegen Mittag im Bahnhof Gepäck deponiert. Um 12:00 Uhr haben wir uns im Peking-Hotel Claudia und den Schweden angeschlossen, die mit öffentlichen Bussen zur großen Mauer fahren wollten. Zuerst mit Bus Nr. 5 bis zur Endstation dann mit Bus 345 ca. 30 km wieder bis zur Endstation nach Changping. Ich habe selten so gefroren wie in diesem Bus (bei offenen Fenstern!), natürlich total überfüllt und Stehplatz. Die Taxis wollten uns von dort zwar zur Mauer nach Badaling bringen, aber wir erfuhren dann, dass dies wegen zu viel Schnee gar nicht möglich sein soll. Also wieder wieder im kalten Bus zurück ins warme Peking-Hotel und sehr gut gegessen, einschließlich zwei Bier. Anschließend Verabschiedung von den Schweden und Claudia und die Zeit bis 23:00 Uhr vertrödelt und zum Bahnhof, da wir der Meinung waren der Zug geht um 23:50 Uhr. Als wir hin kamen war er weg, denn er ging um 23:05 Uhr. Dann umgebucht auf den nächsten Zug Richtung Süden, nur weg vom kalten Peking.

13. Jänner 1987
Abfahrt 1:00 Uhr mit Softsleeper nach Changsha, 1587 km, 26 Stunden. Bis auf die letzten paar Stunden waren wir allein im Abteil, ganz komfortabel, aber wieder sehr kalt, da kaum geheizt. Die Landschaft ist bis Zhengzhou total flach, aber langsam wird es grüner und wärmer. In der zweiten Nacht geht es über einige Berge. Die Gegend scheint aber allgemein nicht arm zu sein, man sieht schöne kleine Bauernhöfe und nette Dörfer.

14. Jänner 1987
Um 3:00 Uhr Ankunft in Changsha. Ein Student ist uns beim Ticketkauf behilflich, trotzdem war es noch schwierig genug. Abfahrt nach Guilin um 8:30 Uhr, 547 km. Ankunft in Guilin 20:30 Uhr. 12 Stunden im Hardsitter! Das Zugpersonal war aber überaus freundlich, auch eine Englisch sprechende Lehrerin war uns behilflich. Während wir beim Essen waren, hat einer vom Personal unser Gepäck bewacht! Essen gut und viel. Vom Bahnhof mit Fahrradrikscha zum Hidden Hill Hotel. In Guilin ist vor den Restaurants oft die lebende Speisekarte ausgestellt (z.B. Schlangen, Schildkröten, Tauben und anderes Kleingetier).

15. Jänner 1987
Nach dem Frühstück und Kauf des Flugtickets für Wolfgang mit dem Bus zur Schilfrohrflötenhöhle. Kostet zwar Eintritt, hat sich aber ausgezahlt, da die Szenerie wirklich wunderschön ist. Fast eine Theaterlandschaft. Danach zum Li-Fluss und Elefantenrüsselberg, der anscheinend ein sehr beliebtes Fotomotiv darstellt, obwohl man sehr viel Fantasie braucht, um den Elefantenrüssel zu sehen. Auch sonst scheint mir die Stadt nicht sehr interessant zu sein. Der Verkehrslärm ist beträchtlich und die Leute teilweise schon aufdringlich. Wolfgang zum Büro begleitet, da er von dort um 19:00 Uhr zum Flughafen gefahren ist. Er hat meine Winterbekleidung und den ersten Film mitgenommen.

16. Jänner1987
Zufällig den Bus nach Yangshuo um 10:00 Uhr noch in letzter Minute erreicht. Mehr als 2 Stunden, da die Straße neu gebaut wird. Außer einer Straßenwalze alles Handarbeit. Yangshuo ist ein netter Ort, umgeben von malerischen Bergen. Zur chinesischen Denkart ein authentischer Ausspruch eines englisch sprechenden Chinesen zu einem Ausländer, nachdem sich dieser die Nase mit dem Taschentuch geputzt hat: "Why du you safe it?

17. Jänner 1987
Stadtbesichtigung und Besteigung des Hügels im Park. Leider immer dunstig und keine Sonne. Abends um 19:00 Uhr mit Boot zum Kormoran fischen gefahren. Die Kormorane sind abgerichtet und tauchen nach Fischen. Nachdem ihnen der Hals abgebunden ist, wird der gefangene Fisch vom Fischer wieder entleert. Am Boot war der Wiener Walter Vogel, Journalist bei "Die ganze Woche". Nachdem er sagte, dass er in Graz Freunde bei der Kleinen Zeitung, wohnhaft in St. Peter hat, war es für mich klar, dass es Frido Hütter sein musste. Von da an wurde es ein sehr lustiger Abend, welcher bei Reisschnaps auf meinem Zimmer endete. Er ist dann am nächsten Tag in der Früh abgefahren, um seine Fahrt über Hongkong nach San Francisco rund um die Welt fortzusetzen. Ein Ausspruch von ihm: "In Malaysia habe ich oft arabisch gegessen, naja, ich war ja nur drei Tage dort."

18. Jänner 1987
Um 9:30 Uhr mit dem Boot flussabwärts nach Fuli gefahren. Besichtigung des Ortes mit Markt. Sehr schöne Fahrt. Danach ergab sich die Gelegenheit, mit dem gleichen Boot auch noch flussaufwärts zu fahren. Abfahrt 13:30 Uhr, um 17:30 Uhr hat er kehrt gemacht und um 20:00 Uhr waren wir wieder in Yangtsuo. Im oberen Teil ca. auf der halben Strecke nach Guilin wieder fantastisches Panorama. Leider wieder sehr diesig und auch ziemlich kalt. Rückfahrt dann bei stockdunkler Nacht. Enorm, wie sie bei dem extrem seichten Wasser wieder ohne aufzulaufen hinunter gefunden haben. Die müssen wirklich jeden Meter des Flusses keinen. Beim Abendessen im Green Lotus Restaurant waren mir dann eindeutig zu viele Schweden da.

19. Jänner 1987
Ein Fahrrad vor dem Hotel geliehen und zum tausendjährigen Baum gefahren. Fantastische Gegend. Zurück habe ich dann einen Umweg quer übers Land auf Feldwegen und durch total ursprüngliche Dörfer gemacht. Dauer 3 Stunden, wunderschön, leider wieder keine Sonne und ziemlich kalt.

20. Jänner 1987
Abfahrt um 7:10 Uhr mit Lokal-Bus nach Liuzhou, ca. 5 Stunden harter Trip, mit dem Bus wurde gleichzeitig ein Gefangenentransport durchgeführt. Im Bus die zwei langen Schweden Fredrik und Knut kennengelernt. Am Bahnhof ist es sich gerade noch für den Zug um 13:50 Uhr nach Zhanjiang ausgegangen (im Hardsitter). Der Zug war so voll, dass man unmöglich mehr umfallen konnte. Der Schaffner hatte mit uns erbarmen und hat uns für eine Aufzahlung einen Platz im Softsleeper verkauft. Der Weg dorthin durch einen Waggon mit Gepäck war nur mit brutaler Gewalt möglich. Fahrtdauer ca. 8 Stunden. In Zhanjiang sehr günstig im Friendship-Hotel geschlafen.

21. Jänner 1987
Zhanjiang ist eine sehr modern aussehende Stadt mit breiten, palmengesäumten Straßen. Wir wollten das Visa verlängern, war hier aber zu kompliziert. Abfahrt nach Hainan mit Bus um 16:00 Uhr, Dauer ca. 4 Stunden, am Hafen gerade noch das letzte Fährschiff nach Heikou erreicht, Dauer der Überfahrt ca. 2 Stunden. In Heikou im billigen Hotel neben dem schöneren Oversea-Chinese-Hotel im Dormitory geschlafen. Harte Holzpritsche, sehr laut und völlig desolater Waschraum. Abendessen in einem Straßenrestaurant.

22. Jänner 1987
Vormittag Verlängerung des Visas um einen Monat, kein Problem, Beamter sehr nett. Besichtigung von Park und der sehr interessanten Marktstraße, in der es wirklich ein sehr komplettes Angebot an chinesischen Waren gibt. Man braucht aber auch einen guten Magen, um all die Köstlichkeiten zu besichtigen. Sehr lebhaftes Treiben auf den Straßen, aber alles ziemlich schmutzig. Touristen sieht man kaum. Da mir das Hotel vom Straßenlärm her zu laut war, habe ich beschlossen, am nächsten Tag weiterzufahren.

23. Jänner 1987
Um 8:00 Uhr Abfahrt mit AC Bus nach Sanya im Süden der Insel. Dauer 7 Stunden mit 1 Stunde Mittagspause. Trotz des komfortablen Busses eine ziemlich anstrengende Fahrt. Nach Ankunft in Sanya Fahrt zum Dadonghai-Beach. Da keine billigen Zimmer frei waren, zu einem anderen Strand und von dort in Richtung Hafen in einem Chinesenhotel in untergekommen. Hauptsächlich sind hier amerikanische Lehrer und Studentinnen unterwegs, welche während der Semesterferien hierher fahren. Das Hotel liegt ungünstig, da kein Restaurant in der Nähe ist. Abendessen im Sunset-Restaurant am Strand. Zwei Linzer und einen Deutschen getroffen. Nach einigen Flaschen Bier hätte ich fast mein Zimmer nicht mehr gefunden.

24. Jänner 1987
Nachmittags zum Dadonghai-Beach gefahren. Schöner Sandstrand, aber durch viele chinesische Touristen, welche angezogen und sich gegenseitig fotografierend durch die Gegend rennen, nicht nach meinem Geschmack. Sauberes Wasser, aber nur ca. 20°.

25. Jänner 1987
Fahrrad für geliehen und in die Stadt gefahren, um Buskarte zu besorgen. Sehr lebhafter Markt und auf den Straßen viel los. Das Angebot an Restaurants ist insgesamt sehr schlecht. Vernünftig frühstücken kann man praktisch nirgends. Auch sonst ist für die Gegend für mich enttäuschend, die Berge praktisch kahl und kaum Palmen. Außerdem gibt es sehr lästige Sandfliegen.

26. Jänner 1987
Nach wieder enttäuschendem Frühstück im Sunset-Restaurant um 12:30 Uhr Abfahrt mit Bus vom Sanya Hotel nach Heikou. Bus fährt 6 Stunden durch, nur mit einer kurzen Pause am Waldesrand. Vor mir eine alte Chinesen steckt ein paar Mal den Kopf zum Fenster hinaus, um zu kotzen, bei anderen geht es einfach auf den Boden. Wieder im billigen Chinesenhotel geschlafen. In der Nacht bin ich aufgewacht, weil irgend welches Getier im Kopfpolster gekrabbelt ist. Wahrscheinlich ein Mäusenest. Ich wollte das nicht so genau wissen und tauschte den Polster einfach aus. Und am nächsten Morgen musste ich sowieso gleich weg.

27. Jänner 1987
Um 8:00 Uhr mit Motorcycle zum Hafen, da zufällig schon um 9:00 Uhr das Schiff nach Guangzhou abfährt. Abgefahren ist es dann mit 2 Stunden Verspätung um 11:00 Uhr. Sehr schöner großer Dampfer, dritte Klasse im 6-Bett-Abteil Oberdeck war ganz in Ordnung, außer dem üblichen Saustahl, welche die Chinesen nach kurzer Zeit daraus machen. Habe das erste Mal Schwierigkeiten mit dem Essen und der Durchfall versaut mir ein bisschen die 24 Stunden dauernde Reise.

28. Jänner 1987
Sehr schön dann am Morgen die Fahrt flussaufwärts mit dem doch sehr großen Schiff. Nach der Ankunft mit zwei Studenten zusammen im Taxi auf die Shamian-Insel in das Youth Hostel (hinter dem sehr schönen White Swan Hotel). Nachmittags Besichtigung des Qingping-Marktes. An Tieren sah ich unter anderem verschiedenste Schlangen, Schildkröten, Frösche, Eulen, Marder, Vögel, usw. Abendessen sehr gut im Linhua -Hotel, gegenüber Bahnhof. Nachher noch durch den Kulturpark spaziert. Aufführung vom chinesischen Opern und Musik. Sehr schöne Blumendekorationen. Um Mitternacht bin ich durch eine ohrenbetäubende Knallerei, unter anderen direkt vor meinem Fenster, aufgewacht. Von der ganzen Stadt hört man den Widerhall der Knallkörper. Die Chinesen feiern Silvester.

29. Jänner 1987
Wie zur Zeit jeden Tag gutes Frühstück mit Brötchen und Kaffee von der Bäckerei des Swan-Hotels. Mit Bus zum Zoo gefahren. Sehr schön der Affenfelsen, von den beiden Pandas war nicht viel zu sehen. Massenhaft Leute unterwegs. Auch im Friendship-Store, Garden-Hotel usw. war das Gedränge groß. Abendessen wieder in Liuhua-Hotel. Mein Magen ist nach zwei Tagen wieder in Ordnung, chinesisches Essen schmeckt mir wieder.

30. Jänner 1987
Der zweite Feiertag. Die Knallerei um Mitternacht war wieder arg. Mit Bus zum Liurong-Tempel. Wie in einem Irrgarten geht es die Treppen hinauf. Hatte bei dem alten Gebäude und Holzgeländer kein gutes Gefühl und war froh, als ich wieder unten war. Immerhin ist er 57 m hoch. Danach in den 92 ha großen Yuexiu-Park. Besteigung des Obelisken. Schöner Rundblick über die Stadt. Überhaupt ist heute herrliches Wetter mit Sonnenschein, man kann nur mit Hemd gehen. Nach Besichtigung des China-Hotels wieder in das Liuhua-Hotel zum Abendessen. Zum zweiten Mal mit einem Lehrer aus Shanghai am gleichen Tisch gesessen. Essen wieder sehr gut.

31. Jänner 1987
Mit Bus nach Foshan gefahren. Die Kleinstadt laut Reiseführer erwies sich eher als groß und modern und von Ruhe konnte keine Rede sein. Angeboten wird viel Keramik. Nachdem ich kein Restaurant mit einer englischen Speisekarte finden konnte bin, bin ich müde und deprimiert wieder zurückgefahren. Langsam konnte ich die Menschenmassen, die sich - wohl auch bedingt durch das Frühlingsfest - unaufhörlich durch die Straßen wälzten, nicht mehr ertragen. Dazu immer die vielen Radfahrer, auf die man aufpassen muss. Den Rest hat mir dann das Abendessen im Restaurant schräg gegenüber gegenüber des Hotels gegeben. Schlechte Bedienung, 2 Stunden warten auf das Essen und dann hat es keinen Reis mehr gegeben!

1. Februar 1987
Noch immer unglaubliche Menschenmassen auf den Straßen. Nach Besuch des Foreign Trade Markets zum Hafen und Schiffskarte besorgt. Nachher im total überfüllten Bus zum Liuhua-Restaurant, wo es aber sowieso keinen Platz mehr gab. Also wieder im total überfüllten Bus zurück. Mit Mühe und Not doch noch etwas zum Essen bekommen. Ich war dann froh, als ich auf der (Katamaran-)Fähre nach Macao war. Der chinesische Zoll wollte nur sehen, ob ich meinen Fotoapparat noch habe.

2. Februar 1987
Sehr angenehme und ruhige Fahrt in 8-Bett-Kabine. Ankunft in Macao Inner Harbour um 6:30 Uhr (10 Stunden Fahrt). Keine Zollkontrolle. Die Zimmersuche wird schwierig, schließlich aber doch ein Zimmer in einem Chinesen Hotel schräg gegenüber vom Anleger, bzw. schwimmenden Casino bekommen. Gegenüber China gibt es hier sehr viele Restaurants aller Preisklassen, kaum Radfahrer, temperamentvollen Autoverkehr (Linksverkehr) und keine mich angaffenden Chinesen. Am Abend Besuch der Casinos im Lisboa-Hotel und des schwimmenden Casinos. Kein Garderobenzwang, großer Andrang, nur einige American-Doppeltische (bei Zero werden einfache Chancen eingezogen). Sehr viele Black-Jack-Tische und Roulette mit einer größeren Kugel (wie Tennisball).

3. Februar 1987
Nachdem die Absteige in der Nacht sehr laut war, bin ich in die Vong Kong Hospedaria zwei Häuser weiter gegenüber Gulf-Tankstelle umgezogen. Es ist eine Spur besser und ruhiger. Trotzdem bin ich froh, meinen Leinen-Schlafsack zu haben, denn die Bettwäsche scheint nicht die frischeste zu sein. Wenigstens liegen die Zimmerchen nicht mehr direkt über der Küche wie beim vorhergehenden. Mit Bus zum Hac Sa-Beach auf die Insel Coloane gefahren. Der Strand wikt aber nicht besonders einladend. Nachher habe ich zu Fuß praktisch ganz Macao umrundet (Barrier Gate, um das Wasserreservoir herum, die Grand Prix Strecke entlang bis zum Jai-Alai-Stadion. Abends vor dem Lisboa-Hotel noch immer viel Feuerwerk und Knallerei, mehr als in der Sylvesternacht in Guangzhou. Schade, dass ich nicht schon damals hier war. Als Schlaftrunk habe ich eine ganze Flasche portugiesischen Rotwein gelehrt.

4. Februar 1987
Nachdem ich vergeblich eine Fabrik für Feuerwerkskörper gesucht habe, bin ich zur Fassade der Sankt Pauls-Kathedrale und zur Penha-Church. Sehr schöner Rundblick über Macao. Nachdem für den nächsten Tag keine Tickets für die Fähre um 10:30 Uhr mehr zu haben waren, für Freitag eines gekauft. Abends Nachtaufnahmen vom Feuerwerk gemacht.

5. Februar 1987
Gemütlicher Tag. Spaziergang in der Stadt, Juweliere besucht, auf dem Fort St. Paul in der Sonne gesessen. Abends noch einmal ins Jai Alai (Pelota) Stadion. Auf den Straßen werden alle möglichen Spezialitäten gebruzelt und dann den Hongkong-Touristen angeboten. Westliche Touristen sieht man kaum. Heute kein Feuerwerk mehr, dafür eine Blumenausstellung.

6. Februar 1987
Abfahrt um 10:30 Uhr mit Hi-Speed-Ferry, vorbei an vielen kahlen Inseln mit ganz schönem Tempo, nur die Hydrofoils sind schneller. Ankunft 12:00 Uhr am ganz neuen modernen Macao-Pier. Visa für drei Monate, keine Gepäckskontrolle. Im Chungking Mansion sehr schönes neues Zimmer bezogen. Das Zimmer ist zwar klein, aber fein. Nach China und Macao ist es für mich Luxusklasse. Hongkong ist seit dem letzten Mal (1981) viel moderner, sauberer geworden, es wurde unwahrscheinlich viel neu gebaut und die Chinesen laufen alle in der neuesten italienischen Mode herum. Modeboutiquen gibt es wie Sand am Meer.

7. Februar 1987
Wie schon am Vortag wegen Flug Erkundigungen eingeholt, wegen der widersprechenden Auskünfte nicht gerade einfach. Ansonsten in Kowloon durch die Straßen spaziert und das vielfältige Angebot begutachtet. Es ist gerade Ausverkauf, leider für die Winterware. So ist es gar nicht so einfach, etwas für den Sommer zu finden.

8. Februar 1987
Shopping-Sightseeing in Kowloon und in den völlig neuen Shoppingcenters in Tsim Sha Tsui. Unglaublich, was da alles hingebaut wurde, wo vor ein paar Jahren noch das Meer war. Das Preisniveau ist für exklusive Waren allerdings nicht viel niedriger als bei uns.

9. Februar 1987
Flug HK - KL - FRA mit MAS bei Four Seasons Travel Service gebucht. Nach einem ausgiebigen Pizza-Essen mit Bus zum Flughafen. Abflug vom Hong Kong Kai Tak Airport pünktlich 19:30 Uhr, Flugzeit bis Kuala Lumpur 3,5 Stunden.

Weiterer Verlauf der 5-monatigen Asienreise 1986/87:
10. - 15. Februar 1987: Malaysia - Singapur
15. Februar - 16. April 1987: Indonesien (Java, Bali, Lombok)
16. - 27. April 1987: Singapur - Malaysia
27. April - 23. Mai 1987: Thailand
23. - 27. Mai 1987: Malaysia
28. Mai 1987: Rückflug nach Frankfurt/Main
03. Juni 1987: Ankunft in Gleisdorf

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